Gräfin Emma und der Krüppel
-eine Bremer Volkssage in leichter Sprache
Die Gräfin Emma von Lesum war eine sehr fromme Frau. Seit ihr Mann Lüdger gestorben war, lebte sie sehr zurückgezogen. Gräfin Emma fand ihre einzige Freude darin Gutes zu tun. Die Gräfin Emma war sehr reich. Sie schenkte der Kirche in Bremen zwei Kreuze, eine Altar-Tafel und einen Kelch. Das war alles aus Gold und Edelsteinen gefertigt. Aber ihre Großzügigkeit beschränkte sich nicht nur auf die Kirche. Einmal war der Herzog Benno in Leßum zu Besuch bei Gräfin Emma. Herzog Benno war der Bruder von Emmas verstorbenen Mann. Sie ritten am frühen Morgen an der Stadt Bremen vorbei. Sie schauten sich das Land an, das Gräfin Emma gehörte. Beim Reiten trafen Emma und Benno einige Bremer Bürger. Die Bürger aus Bremen beklagten sich bei Emma. | Foto: Jürgen Howaldt |
| Sie hatten zu wenig Platz für ihre Kühe und Schweine und Schafe und Hühner. Die Gräfin hörte ihnen zu und versprach den Bürgern zu helfen. Sie wollte ihnen - sagte sie – Land geben, soviel ein Mann in einer Stunde umgehen kann. Benno hatte Angst, dass sie zu viel Land dadurch verlieren könnten. Herzog Benno ist der Erbe von Emma. | |
| Wenn Emma stribt, bekommt Benno das ganze Land. Er sagte nur zum Scherz zu Tante Emma: „Gib den Bremer Bürgern doch soviel Land wie ein Mann an einem Tag gehen kann!“. Emma stimmt dem zu. Sie wusste nicht, dass es ein Scherz war. Die Bremer Bürger bekommen so viel Land, wie ein Mann an einem Tag umlaufen kann. Jetzt hatte Benno noch mehr Angst. | Foto: Jürgen Howaldt |
| Er wird viel Land verlieren. Aber Benno hatte eine Idee. Er wollte den Mann aussuchen. Sagte er zu Emma. Und Emma hat es ihm erlaubt. Sie hat nicht gemerkt, dass er es in böser Absicht tat. Sie ritten an einem Bettler vorbei. Der Bettler hate kaputte Beine. Der Bettler war ein Krüppel. | Foto: Jürgen Howaldt |
| Da sagte Benno: „Diesen Mann suche ich aus“. Er zeigte auf den Krüppel. Die Bremer Bürger waren entsetzt! Dieser Krüppel konnte nicht weit kommen. Sie würden also nur sehr wenig Land erhalten. Sie hätten nicht viel Platz für ihre Tiere. Am nächsten Morgen machte sich der Krüppel auf den Weg. Die Bremer Bürger machten sich keine Hoffnung. |
Foto: Jürgen Howaldt |
| Ein Krüppel kann ja nicht weit kommen. Aber die Gräfin Emma beugte sich zum ihm herunter und machte ihm Mut. Sie sagte: „Versuchs doch nur!“Und der Krüppel machte sich auf den Weg. Er bewegte sich mit seinen Händen vorwärts. Seine Beine waren kaputt. Er konnte nicht laufen. Ein Diener folgte ihm. Der Diener setzte alle hundert Meter einen Pflahl in den Boden. Damit markierte er das Land Er markierte das land, das den Bürgern gehören würde. Die Bremer Bürger glaubten nicht, dass der Krüppel weit kommt. Sie gingen nach Hause. Am Abend kamen die Bürger aus ihren Häusern. So weit das Auge reichte konnten sie Pfähle sehen. Sie staunten! Der Krüppel war sehr, sehr weit gekommen. Sehr viel Land bakamen sie geschenkt. Mehr Land sogar, als sie hofften. Das war im Jahre 1032. Seit diesem Jahr gehört den Bremer Bürgern die Bürgerweide. Auf der Bürgerweide ist jedes Jahr der Freimarkt. Das haben die Bremer der Gräfin Emma und dem Krüppel zu verdanken. | Foto: GNU |
Den Krüppel kann man heute noch in Bremen sehen. Er sitzt dem großen Roland zu Füßen. Besuche ihn mal. Der Roland steht auf dem Bremer Marktplatz. Besuche doch auch Gräfin Emma. Gräfin Emma ist im Bremer Dom unter einem blauen Stein begraben.
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